Urteil und Schriftsatz anonymisieren

Für Kanzleien und Gerichtsnahe: Verfahrensdaten ersetzen, bevor eine KI mitliest.

Entscheidungen, Schriftsätze und Aktenvermerke enthalten Namen, Aktenzahlen, Anschriften und Beträge in dichter Folge. Wer einen solchen Text zusammenfassen, gliedern oder auf Argumente durchsehen lassen will, kann diese Angaben vorher ersetzen.

Wie weit das trägt, hängt davon ab, wie ein Name im Text steht. Das ist hier der entscheidende Punkt.

Was an Mustern erkannt wird

Die Platzhalter folgen einem festen Muster: [AKTENZAHL_001], [PERSON_001], [ORG_001]. Dieselbe Person bleibt im ganzen Dokument dieselbe, sodass Argumentationsketten nachvollziehbar sind.

Wo Namen übersehen werden können

Erkannt wird ein Name dort, wo ihn ein Muster trägt: Anrede, Titel, ein Etikett wie „Kläger:“ oder eine Parteirolle im Satz („klagt Maria Muster“, „die klagende Partei Maria Muster“). Ohne eine solche Stütze bleibt er offen, etwa im bloßen Rubrum „Maria Muster gegen Nordwind GmbH“ oder in der Aufzählung „zwischen Maria Muster und Otto Suedberg“. In Verfahrensdokumenten ist das die häufigste Lücke.

Nach dem ersten Treffer schützt ein Name sich selbst: Wo derselbe Name einmal mit Titel, Anrede oder Parteirolle vorkommt, wird auch jede freie Stelle im Dokument ersetzt. Fehlt dieser erste Treffer, bleibt der Name offen. Deshalb gehört nach dem Bereinigen eine Durchsicht der Parteien und Zeugen dazu, und was fehlt, wird ergänzt.

Ablauf

  1. Den Text einfügen oder die Datei mit kostenlosem Konto einlesen.
  2. Die erkannten Stellen durchsehen; fehlende Namen von Parteien und Zeugen ergänzen.
  3. Den bereinigten Text zur KI geben.
  4. Die Antwort einfügen und die Platzhalter lokal zurückübersetzen.

Die Verschwiegenheit einer Kanzlei reicht weiter als der Datenschutz; die Hintergründe dazu stehen auf der Seite Kanzlei.

Ein Beispiel

Ein Ausschnitt aus einem erfundenen Verfahren, so wie die Erkennung ihn bearbeitet:

Vorher
Maria Muster gegen Nordwind GmbH, GZ 12 Cg 34/25x. Die klagende Partei Maria Muster, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Hans Beispiel, macht EUR 5.000,00 geltend. Der Zeuge Karl Probe, wohnhaft in Hauptstraße 5, 1010 Wien, sagte am 12.05.2025 aus.

Nachher
[PERSON_003] gegen [ORG_001], [GESCHAEFTSZAHL_001]. Die klagende Partei [PERSON_003], vertreten durch Rechtsanwalt [PERSON_002], macht [BETRAG_001] geltend. Der Zeuge [PERSON_001], wohnhaft in [ADRESSE_001], sagte am [DATUM_001] aus.

Der Name im Rubrum wird ersetzt, weil er im nächsten Satz mit der Parteirolle steht. Stünde er nur im Rubrum, bliebe er offen. Genau diese Art Stelle gehört nach dem Bereinigen gesucht und von Hand ergänzt.

Häufige Fragen

Werden alle Namen in einem Schriftsatz erkannt?

Nein. Namen mit Anrede, Titel, Etikett wie „Kläger:“ oder Parteirolle im Satz werden erkannt, Namen ohne eine solche Stütze, etwa im bloßen Rubrum oder in einer Aufzählung, dagegen nicht immer. Das ist die wichtigste Stelle für die Durchsicht des Ergebnisses.

Wird die Aktenzahl ersetzt?

Ja, Aktenzahlen und Geschäftszahlen in den gängigen österreichischen Mustern werden erkannt und durch einen Platzhalter ersetzt.

Eignet sich das, um Entscheidungen zur Veröffentlichung zu anonymisieren?

Dafür nicht allein. Eine Veröffentlichung verlangt eine Anonymisierung, bei der auch die Schilderung geprüft wird; dieses Werkzeug ersetzt Muster und lässt sich dabei rückgängig machen, was für eine endgültige Veröffentlichung gerade nicht gewünscht ist.

Kann ich die echten Namen später wieder einsetzen?

Ja, solange die Zuordnung in deinem Browser vorliegt. Die Rückübersetzung läuft lokal.

Zu den Grenzen: Die Erkennung arbeitet mustergestützt und wird laufend gegen einen gelabelten Testkorpus gemessen. Sie kann ungewöhnlich geschriebene oder erst aus dem Zusammenhang erschließbare Angaben übersehen. Prüfe das Ergebnis vor dem Versand an einen KI-Dienst immer selbst. Die Anwendung unterstützt datenschutzkonforme Abläufe, ersetzt aber keine Rechtsberatung.

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